Philadelphia: Kunst und Demokratie

Skyline Philadelphia vom Delaware River aus gesehen

Skyline Philadelphia vom Delaware River aus gesehen

Ende Juli kürt die Demokratische Partei in Philadelphia ihre Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. Viele Gebäude in der Stadt am Delaware River erinnern an die demokratische Tradition der Vereinigten Staaten. Außerdem besitzt die Ostküsten-Metropole die meisten Wandgemälde der USA und eine kulinarisch aktive deutsche Gemeinde

Ernel Martinez stehen Schweißperlen auf der Stirn. Der Mittdreißiger legt mit der Malerpalette letzte Hand an ein „Mural“ genanntes Wandbild an der Kreuzung Woodland Ecke 55. Street. Das rund 15 Meter hohe und 20 Meter breite Gemälde zeigt schwarze Väter, die im Gefängnis sitzen, und ihre Kinder. Martinez gehört zu einem fünfköpfigen Künstler-Kollektiv, das mit staatlicher und privater Unterstützung farbenkräftige Wandgemälde an Brandwänden und Fassaden malt – immer mit politischem Anspruch. „Wir berufen uns auf die Wurzeln unserer Demokratie“, erklärt der Künstler.

Streetart Künstler Ernel Martinez © FM Rohm

Streetart Künstler Ernel Martinez © FM Rohm

Was vor mehr als dreißig Jahren als Anti-Graffiti-Projekt der Stadt begann, hat sich mittlerweile unter dem Namen „Mural Art Program“ zu einer Touristenattraktion entwickelt. „Mehr als 3 000 Wandgemälde sind bislang entstanden“, berichtet Josh Silver, der mit einem schick aufgemöbelten historischen Bus täglich auf Wandgemälde-Tour geht. Über dreißig verschiedene „Murals“ werden bei der zweistündigen Tour angefahren, die meisten davon an der Germantown-Avenue, die nach den vielen Deutschen benannt ist, die ab Mitte des 18. Jahrhunderts in mehreren Einwanderungswellen in die Stadt kamen. 
„Der historische Ortskern aus der Zeit der Unabhängigkeitserklärung ist einzigartig in den USA“, sagt Chefkoch Walter Staib. Der gebürtige Pforzheimer lebt seit mehr als zwanzig Jahren in der Stadt zwischen Delaware  und Schuylkill River. Sein Restaurant „City Tavern“ mit Gerichten aus dem 18. Jahrhundert befindet sich in einem Backsteinhaus, in dem George Washington, Thomas Jefferson und zahlreiche Erstunterzeichner der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten nicht nur aßen und tranken, sondern auch Politik machten.
Philadelphia, Independance Hall  © FM Rohm

Philadelphia, Independance Hall © FM Rohm

Zehn Blocks nördlich der „City Tavern“ steht die restaurierte Independance Hall, das ehemalige Parlamentsgebäude der Kolonie Pennsylvania, in dem im Juli 1776 die Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet wurde. Elf Jahre später wurde in Philadelphia die erste Verfassung der USA proklamiert. Über diese Ereignisse informiert der Independance National Historic Park. In seinem interaktiven Museum ist die berühmte Liberty Bell zu sehen.
Richtung Fluss lässt sich das alte Philadelphia gut zu Fuß erkunden. In unmittelbarer Nähe des Historic Waterfront District schlendern Besucher durch koloniale Gassen mit zweistöckigen Backsteinhäusern über drei Jahrhunderte altes Kopfsteinpflaster.
Richtung Stadtzentrum passiert man weitere Architekturdenkmäler wie die gewaltige City Hall im trutzigen viktorianischen Stil. Der 167 Meter hohe Uhrenturm mit der Statue von Staatsgründer William Penn gilt als höchstes gemauertes Gebäude der Welt. Einen Block weiter steht das Kaufhaus Macys im Art-Deco-Stil mit der größten Orgel und dem größten Atrium in einem Warenhaus. Einige Straßen weiter folgen die erste Münze und die erste Post der Vereinigten Staaten. Philadelphia wimmelt geradezu von „ersten in den USA“.
Philadelphia, Robert Indianas Love-Skulptur  © FM Rohm

Philadelphia, Robert Indianas Love-Skulptur © FM Rohm

Aber die Stadt steht auch für zeitgenössische Kunst und Moderne. In der Nähe der City Hall fotografieren Touristen an der John-F. –Kennedy-Plaza die berühmte Love-Skulptur von Robert Indiana. Zwei Blocks weiter kratzen die höchsten Gebäude der Stadt an den Wolken, Liberty One and Two, und das mit Spiegelglas verkleidete Comcast Center, mit fast 300 Metern das höchste Gebäude der Stadt.
 

Rocky Steps und Schweinshaxen

Von hier aus führt der Benjamin-Franklin Parkway in nordwestlicher Richtung vorbei an der St. Peter and Paul-Kathedrale in den Museums-Distrikt. Neben der Barnes-Foundation mit einer exzellenten Impressionisten-Sammlung befindet sich im Rodin-Museum nebenan die größte Sammlung von Bronzen des französischen Künstlers außerhalb von Paris.

Das einen halben Kilometer weiter gelegene Museum of Modern Art wird nicht nur von Kunstliebhabern geschätzt. Berühmt sind die „Rocky Steps“, die sich Silvester Stallone im ersten Rocky-Film hochquält, um seine Kondition zu verbessern. Noch sind an der Stelle zwei metallene Schuhabdrücke zu sehen. Lange können sie allerdings nicht mehr fotografiert werden. Sie sollen einem geplantem Erweiterungsbau des Museums zum Opfer fallen. Ein Highlight für nichtmotorisierte Menschen ist der Rad- und Fußgängerweg über die Benjamin Franklin Bridge. Von der gigantischen Hängebrücke hinüber nach New Jersey hat man einen faszinierenden Blick auf die Skyline der Stadt.

Philadelphia, Chefkoch Walter Staib  © FM Rohm

Philadelphia, Chefkoch Walter Staib © FM Rohm

Das Nachtleben mit viel Jazz, Philly-Sound und Hiphop findet an der Szenemeile South Street statt. Kulinarisches Gegenstück zum deutschen „City Tavern“ ist das „Brauhaus Schmitz“. Hier backt Jeremy Nolen nicht nur köstliche Bretzeln. Er grillt auch die besten Schweinshaxen westlich von Passau, mit krachender Kruste und butterweichem Fleisch. Dazu serviert er exzellentes Sauerkraut. Zu Trinken gibt es 30 deutsche Biere vom Fass und 80 aus der Flasche.
Wem nicht nach deutschem Essen ist, der findet mit Sicherheit das Richtige unter den rund 3 500 anderen Restaurants der Stadt. Philadelphias kulinarische Spezialität übrigens ist das schwer im Magen liegende „Cheese Steak“, mit Käse überbackenes, kleingeschnittenes Steakfleisch im Brötchen. Streetart-Künstler Ernel Martinez besucht lieber den Reading Terminal Market unter einer Eisenbahnstation mit dutzenden Essenständen von deftig bis vegan. Der Markt gilt, wer hätte es gedacht, als erster überdachter Markt der USA.

 

Die Reise wurde unterstützt vom Fremdenverkehrsbüro Philadelphia.

Anreise:

Lufthansa fliegt direkt Frankfurt/Main nach Philadelphia, www.lufthansa.de

Unterkunft:

Sheraton Downtown, alle Sehenswürdigkeiten fußläufig erreichbar, ab 130 $ Doppelzimmer, 201 N 17th St, Philadelphia, PA 19103, 001/215/4482000, www.sheratonphiladelphiadowntown.com

Bed & Breakfast The Gables, 4520 Chester Avenue, Philadelphia, PA 19143, Tel. 001/215/6621918, Haus im viktorianischen Stil, Doppelzimmer ab 115 $, www.gablesbb.com

Aktivitäten

Der Philadelphia-Pass für 97 Dollar ermöglicht fünf Tage freien Eintritt in zahlreiche Museen, kostenlose Bustouren und bietet Rabatte beim Einkauf. Drei Tage 85 $.

An zahlreichen Stellen in der Stadt können Fahrräder gemietet werden. Informationen unter www.rideindego.com

Mural Art Tours, 118 Broad Street, Tel. 001/215/9253633, www.muralarts.org

Ausflug nach Lancaster County zu den Amish-People, deutschstämmige Religionsgemeinschaft, die wie im 18. Jahrhunderts lebt.

Amish Experience, 3121 Old Philadelphia Pike, Bird –in-Hand 17505 PA, Tel. 001/717/7688400, www.amishexperience.com

 

Essen:

Reading Terminal Market, 12. Ecke Arch Street, Dutzende Essenstände von deftig bis vegan, Mo-Sa 8-18, So 9-17 Uhr, Tel. 001/215/9222317, www.readingterminalmarket.org

Brauhaus Schmitz, 718 South Street, Tel. 001/267/9098814, täglich 11.30-2 Uhr, www.brauhausschmitz.com

City Tavern, 138 S 2nd Street, Tel. 001/215/4131443, täglich 11.30-21 Uhr, www.citytavern.com

2nd Story Brewery, einheimische Mikro-Brauerei, 117 Chestnut Street, Tel. 001/267/ 3145770, Mo-Fr 11.30-2, Sa 10-2, So 10-24 Uhr, www.2ndstorybrewing.com

Weitere Informationen: www.discoverphl.com 

Fremdenverkehrsbüro Pennsylvania/Philadelphia Wiechmann Tourism, 069/25538250
 

Veröffentlicht unter Fernweh