Usbekistan: Märchenhaftes aus tausendundeiner Nacht

Samarkand und Buchara, sagenumwobene Städte der usbekischen Seidenstraße

Tänzerinnen Buchara, Usbekistan @ FM Rohm

Tänzerinnen Buchara, Usbekistan @ FM Rohm

Morgens um sechs Uhr wirkt der Registan, der schönste Platz von Samarkand und einer der prächtigsten Mittelasiens, zauberhaft entrückt. Zwischen den majestätischen Türmen, Kuppeln und Fassaden der drei Medresen genannten Koranschulen schallt das Zschilpen fremdartiger Spatzen, die die Einheimischen Chumchuk nennen.
Frühe Strahlen der gleißenden, zentralasiatischen Morgensonne entzünden türkisfarben gekachelte Kuppeln schlanker Minarette, bald darauf beleuchten sie verschwenderische Pracht der Ziermosaike an den bis zu fünfzehn Meter hohen Fassadenportale der Koranschulen, die im 15., 16. und 17. Jahrhundert entstanden.
Frauen in leuchtend bunten Seidenkleidern breiten Decken unter Maulbeerbäumen aus. Lachend schütteln sie die schmackhaften Beeren aus den zierlichen Bäumen. In den Gesichtern blitzten vergoldete Zähne, ein Zeichen für Wohlstand in Usbekistan. Gemeinsam mit ihren westlich gekleideten Männer sitzen sie mit dem Nachwuchs auf Tschorpojas, das sind mit Teppichen ausgelegte, bettähnliche Gestelle die man überall in Usbekistan sieht. Später frühstücken die Familien, trinken Tee und mümmeln Maulbeeren, die Männer rauchen starken Tabak.
Koranschule in Chiwa © FM Rohm

Koranschule in Chiwa © FM Rohm

Gegen ein geringes Bakschisch schließt ein Wächter die Tür zum Minarett der von dem Herrscher und Wissenschaftler Ulugh’bek 1417-1420 errichteten Medrese auf, von dem man einen guten Blick auf den Platz und die erwachende Stadt hat. Beim Weg zum Turm stellt man fest: Das schöne Äußere umgibt ein marodes Inneres. Hunderte von Jahren verfielen die Religions- und Wissenschaftsschulen nach dem Niedergang Samarkands. Erst Ende der 1930er Jahre begann die Sowjetunion mit der Restaurierung der Kunstschätze der mehr als 2.700 Jahre alten Stadt. Seit der Unabhänigkeit von der Sowjetunion 1991 muss die islamisch geprägte Republik größtenteils aus eigner Kraft die Instandhaltung und Wiederherstellung der Kulturschätze des Landes bewerkstelligen. Ohne die märchenhaften Baudenkmäler kämen nicht Jahr für Jahr zahlungskräftige Bildungstouristen.

Besuch der Totenstadt
Totenstadt Shohi Zinda, Samarkand © FM Rohm

Totenstadt Shohi Zinda, Samarkand © FM Rohm

Nicht weit entfernt vom Registan befindet sich das monumentale Denkmal von Timur ibn Taraghai Barlas, auch Tamerlan oder Timurlenk genannt, dem Nationalhelden Usbekistans. Der Feldherr ließ im 14. Jahrhundert das zerstörte Samarkand wieder aufbauen und schuf mit eisernern Faust und grausamen Regime das riesige Timuridenreich, das sich von der heutigen Türkei über ganz Zentralasien bis nach Nordindien erstreckte. Sein Grabmal Gur Emir mit gewaltigem Eingangstor im persischen Fayence-Stil, Zierminaretten und einer 34 Meter hohen Mausoleumskuppel gilt als Nationalheiligtum, das täglich von dutzenden Touristengruppen, Bürgerdelegationen und zahlreichen Schulklassen besucht wird. Sie drängen sich im üppig verzierten Innenraum, in dem mehrere Kenotaphe, Steinsärge, zu sehen sind. In der Mitte schimmert der schwarze Kenotaph von Tamerlan, der 1405 starb. Mehr als fünfhundert Jahre lang war das Grabmal dem Verfall preisgegeben, bevor in den 1940er Jahren die Restaurierung begann.

Zwanzig Busminuten vom belebten Stadtzentrum entfernt liegt die sagenhafte Totenstadt Shohi Zinda, mehr als einen Dutzend atemberaubend prächtigen Mausoleen, entstanden zwischen dem 11. und 15. Jahrhundert. Stundenlang können Besucher in einem Labyrinth von türkis und goldenen geriffelten Schmelzziegel- Kuppeln, Minaretten und mosaikverzierten Portalen umherspazieren und treffen auf immer neue architektonische Kleinode.
 

UNESCO-Welterbe Buchara
Textilverkäuferin Buchara, Usbekistan © FM Rohm

Textilverkäuferin Buchara, Usbekistan © FM Rohm

Das rund vierhundert Kilometer entfernte Buchara ist um einiges kleiner und beschaulicher als Samarkand. Im frühen Mittelalter galt Buchara als religiöses Zentrum, über 200 Moscheen und Koranschulen konzentrierten sich in der zum UNESCO-Welterbe zählenden Altstadt. Die prächtige Abdullah-Khan-Medrese wurde 2005 mit Mitteln der Universität Potsdam restauriert. Die restaurierte Koranschule gilt als Kleinod frühorientalischer Sakralbauten. Beim Besuch des alten Basars fühlt man sich in die Zeit der Karawanen der alten Seidenstraße versetzt. Man genießt die Begegnung mit freundlichen Menschen und staunt über das riesige Angebot an seidenen und baumwollenen Tüchern sowie kunstvollen Teppichen. Den Abend verbringt die Bewohner von Buchara bei gutem Wetter unter freiem Himmel am Lyab i-Hauz-Platz. Auch hier trifft man auf Tamerlan. In der Nähe eines Denkmals sitzen Familien und Paare auf den Tschopojas und genießen gesunde und schmackhafte usbekische Köstlichkeiten, bis die Chumchuk-Spatzen zur Nachtruhe rufen.

Die Reise wurde unterstützt vom usbekischen Tourismusministerium.

Informationen:

Usbekisches Fremdenverkehrsamt, Perleberger Straße 62, 10559 Berlin, Tel. 030-39 40 98 16

Einreise: Für Usbekistan benötigt man ein Visum. Kosten um 70 Euro für 15 Tage.

Veranstalter: Geführte Usbekistan-Reisen bei zahlreichen Veranstaltern, z. B. Diamir, Dresden, 16 Tage Flug ab Frankfurt/M., ab 2.190 Euro, www.diamir.de, oder Marco Polo Reisen, 11 Tage, Flug ab Frankfurt/M., ab 1.999 Euro, www.marco-polo-reisen.com

Beste Reisezeit: April bis Juni, und September/Oktober.

Sprache: Usbekisch und Russisch. Kaum Englisch.

Währung: Sum, 1 Euro sind 3.000 Sum. Dollar und Euro werden in Samarkand und Buchara fast überall akzeptiert.

Sicherheit: Obwohl Usbekistan an Afghanistan grenzt, werden Reisen, vor allem entlang der Seidenstraße, vom Auswärtigen Amt als relativ sicher eingestuft.

Veröffentlicht unter Fernweh