Neues aus Big D

50 Jahre nach dem Kennedy-Attentat zeigt Dallas, wofür die texanische Metropole heute steht: Neben Big Business legt man Wert auf Kultur, Ausgehen und Einkaufen.

Wild Bill, Bill Dewbre, Dallas, Texas © FM Rohm

Wild Bill, Bill Dewbre, Dallas, Texas © FM Rohm

„Come on in“, dröhnt Bill Dewbre und breitet seine Arme aus, als wolle er alle Welt in seinem riesigen Western Store Wild Bill’s im historischen Viertel West End von Dallas willkommen heißen. Wild Bill, mit breitkrempigem Cowboyhut und schwarzer Kluft, ist ein kantiger Charakter wie J. R. Ewings, Held der Kult-TV-Serie Dallas. Mit dem Schauspieler Larry Hagman verband Bill eine lange Freundschaft. Als Hagman vergangenen November starb, ging Bill Dewbre zu Beerdigung. „Wir haben 1979 sein erstes Outfit zusammengestellt“, erzählt Bill Dewbre wehmütig, „der weiße Stetson und die Stiefel.“ Heute stehen J. R.s Stiefel wie Reliquien in einer Vitrine.
Auch Musikgrößen wie Eric Clapton ließen bei Bill Maß nehmen. „Er hat Schlangenleder-Stiefel gekauft.“ Mit hunderten Hüten und mehr als tausend Paar Cowboystiefeln gehört Wild Bill’s zu den Geschäften von Dallas, die kaum ein Tourist auslässt. Zwischen 200 und 1.000 Dollar muss man für Stiefel anlegen, Spezialanfertigungen aus Alligator- oder Schlangenleder sind am teuersten. Cowboyhüte kosten ab 90 Dollar. Ein viel fotografiertes Spektakel ist, wenn Bill die steifen Kopfbedeckungen aus Wolle, Biber- und Kaninchenfilz über heißem Wasserdampf passgenau formt. Allerdings tragen nur  noch wenige Männer die einstmals klassische Kopfbedeckung von Dallas.Schließlich endete die Zeit der Longhorn-Herden-Transporte zu Pferde schon vor fast einem Jahrhundert.
Downtown, Dallas, Texas © FM Rohm

Downtown, Dallas, Texas © FM Rohm

Erinnert wird an die großen Rindertrecks auf der Pioneer Plaza. Dort vereinte der Künstler Robert Summers siebzig Skulpturen der texanischen Rinder zur größten Bronzeplastik der Welt. Groß, am liebsten am Größten, das mögen die Menschen von Dallas. Big things happen here, wirbt die Stadt, und vielleicht sind die 1,3 Millionen Einwohner bei ihren Nachbarn aus Houston, San Antonio und Austin deshalb nicht immer beliebt, weil sie so vehement die Nummer 1 sein wollen.
 

Der größte Art District der USA

Diese Attitüde bekam durch die Wirtschaftskrise in den 1980er und 1990er Jahren einen herben Dämpfer. Mittlerweile aber boomt die Stadt des Öl-Geldes, der Versicherungsfirmenzentralen und Halbleiterindustrie wieder. Man sieht es an der glitzernden Skyline, der weißen Brückenkonstruktion des spanischen Stararchitekten Santiago Calatrava über den Trinity-River und dem derzeit größten Art District der USA mit zahlreichen Museen, Bühnen und Veranstaltungsorten. Zu dessen Perlen gehört das von Renzo Piano entworfene Nasher Sculpture Center mit über dreihundert Werken von Picasso, Rodin, Calder, Giacometti und Matisse und einem bezaubernden Skulpturengarten. Gleich nebenan befindet sich das Dallas Museum of Art mit einer vorzüglichen präkolumbianischen Sammlung, drei Straßen weiter steht das gewaltige Opernhaus der Stadt.

Smoked BBQ im Lockard, Dallas, Texas © FM Rohm

Smoked BBQ im Lockard, Dallas, Texas © FM Rohm

Wer nach intensivem Kunstgenuss einen Ort für Entspannung und Stärkung sucht, findet ihn nur zehn Fußminuten entfernt im  2012 eröffneten Klyde Warren Park. Die Grünfläche war früher Teil eines Freeway, der in einen Tunnel unter die Grasfläche verbannt wurde. Heute spielen bei gutem Wetter Kinder auf sattem Grün, während die Eltern im Schatten von neu gepflanzten Bäumen mehr oder weniger gesundes Fastfood mümmeln. Das kauft man bei den Food-Trucks direkt am Park.
Im grellgelb und knallrot gestalteten Wagen von Crazy Fish verkauft Tenielle Powers frisch gemachte, preiswerte Sushirollen. Die 36-jährige Australierin kam nach Dallas, weil sie von dem angenehmen Klima, den freundlichen Menschen und der Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Geschäftsideen gehört hatte. Sie schwärmt von vielen kleinen Galerien, Cafés, Bars, und aufgeschlossenem Publikum, das in der „Fleischesserstadt Dallas exotische Kost wie Sushi schätzt“. Wenn sie nach ihrem 60- bis 80-Wochenstunden-Job noch Zeit hat, besucht sie das Szeneviertel Bishop Arts District, fünf Meilen westlich von Downtown, in Oak Cliff. In dem ehemaligen Lagerhaus-Viertel haben in den letzten Jahren Dutzende kleine Cafés, urige BBQ-Lokale, feine Restaurants sowie Mode- und Accessoire-Geschäfte eröffnet. „Genau der richtige Ort um abseits riesiger Malls nach neuen Trends zu schauen, und in angenehmer Atmosphäre zu entspannen“, sagt Tenielle Powers. Wenn sie Livemusik von Dixieland bis Hiphop hören möchte, besucht sie einen der Clubs im Downtown-Viertel Deep Ellum, zwischen Est Elm Street und Commerce.

Trauma 22. November 1963
Kennedy-Attentat-Stelle Elm Street,  Dallas, Texas © FM Rohm

Kennedy-Attentat-Stelle Elm Street, Dallas, Texas © FM Rohm

Als Tenielle vor vier Jahren in die Stadt kam, fuhr sie wie die meisten Besucher von Dallas an die Dealey Plaza. Dort, auf der Elm Street Richtung Osten fahrend, wurde am 22. November 1963 US-Präsident John F. Kennedy von tödlichen Schüssen getroffen. Zwei weiße Kreuze auf dem Asphalt markieren die Stellen, an denen die Projektile Kennedy in der offenen Limousine trafen.
Noch immer steht an der Ecke Elm Street und Houston das Backsteingebäude des ehemaligen Lagers der Landesschulbibliotheken. Aus dem sechsten Stock soll der mutmaßliche Attentäter Lee Harvey Oswald geschossen haben. Heute befindet sich in den Räumen das Sixth Floor Museum, in dem mulitmedial und mit seltenen Exponaten über das Attentat informiert wird.
Vor dem Museum starten Busse zur John-F.-Kennedy Memorial Tour. Teilnehmer fahren zum Parkland-Hospital, in dem Kennedy eine halbe Stunde nach dem Attentat für tot erklärt wurde, zum Theater, in dem Oswald festgenommen wurde und zur Polizeizentrale, in deren Garage der Nachtclub-Besitzer Jack Ruby den Attentäter zwei Tage nach der Tat erschoss, als er in ein anderes Gefängnis verlegt werden sollte. Einen Block neben dem Museum gedenken zahlreiche Menschen des ermordeten Präsidenten im Kubus von Philip Johnson an der Memorial Plaza. 
Tanzvergnügen in Deep Ellum,  Dallas, Texas © FM Rohm

Tanzvergnügen in Deep Ellum, Dallas, Texas © FM Rohm

„John F. Kennedys Ermordung ist ein Trauma für Dallas“, sagt Bill Dewbre. Er ist sicher, es war ein Einzeltäter und resümiert: „Die Menschen in Dallas halten den 35. Präsidenten der USA in ehrenvoller Erinnerung. Das Leben geht weiter, und Dallas ist heute eine ganz andere Stadt als vor 50 Jahren.“

Die Reise wurde unterstützt von Texas Tourism Deutschland.

Anreise:

American Airlines fliegt direkt nach Dallas von Frankfurt/Main, www.aa.com

Unterkunft:

Hilton Anatole, 2201 N. Stemmons Freeway, modernes 5-Sterne-Hotel, Doppelzimmer ab 189 Dollar, Tel. 214-748 12 00, www.hiltonanatole.com

Bed & Breakfast

Daisy Polk Inn, 2917 Reagan Street, Oak Lawn, wunderschönes Südstaatenhaus,  Tel. 214-522 46 92, Zimmer ab 99 Dollar, www.daisypolkinn.com

Hotel St. Germain, sieben Gründerzeit-Suiten, exzellentes Essen, 2516 Maple Ave, Uptown, Tel. 214-871 25 16, ab 290 Dollar, www.hotelstgermain.com

Aktivitäten

Sixth Floor Museum at Dealey Plaza, 411 Elm Street, Mo 12-18, Di-So 10-18 Uhr, Tel. 214-747 66 60, Eintritt 16 Dollar, www.jfk.org

Wild Bill’s Western Store, 311 North Market Street, Mo-Do 10-21, Fr 10-22, So 12-18 Uhr, Tel. 214-954 1050, www.wildbillswestern.com

Musik:

The Free Man, 2626 Commerce Street, Deep Ellum, tägl. 11-2 Uhr, Tel. 214-377 98 93, www.freemandallas.com

Adair's Saloon, 2624 Commerce Street, Deep Ellum, So 14-2, Mo 16-2, Di-Sa 12-2 Uhr, Tel. 214-939 99 00, www.adairssaloon.com

Essen:

Crazy Fish und weitere Food-Trucks täglich ab 11 Uhr am Woodall Rodgers Access, nahe Dallas Art Museum, www.crazyfishusa.com

Lockhard, im Bishop Arts District, 400 W Davis Street, tägl. 11-22 Uhr, Tel. 214-944 55 21, uriges Smokehouse, www.lockhardssmokehouse.com

Smoke Restaurant, 901 Fort Worth Ave, tägl. 8-22 Uhr, gehobenes BBQ und Südstaatenküche, preiswert, Tel. 214-393 41 41, www.smokerestaurant.com

Tillman’s Roadhouse, im Bishop Arts District, 324 W. 7th Street, Di-Sa 11.30-14, 17.30-22, So 10.30-14, 17.30-20.30 Uhr, Tel. 214-942 09 88, fine-dining, moderate Preise, www.tillmansroadhouse.com

Informationen: www.traveltex.com

 

Veröffentlicht unter Fernweh Getagged mit: , , , , , , ,