Manche mögen’s heiß

Im Schöneberger Grill-Shop Berlin gibt es Feuerstellen von einfach bis luxuriös und jede Menge Tipps und Zubehör

Michael Schulz, Grill Shop Berlin © FM Rohm

Michael Schulz, Grill Shop Berlin © FM Rohm

Auf mehr als 300 Quadratmetern stellt Michael Schulz an der Schöneberger Hohenstaufenstraße über fünf Dutzend verschiedene Grills aus. Angefangen hat er auf der gegenüber liegenden Straßenseite, vor mehr als fünfzehn Jahren, „damals mit Heizpilzen. Grills hatte ich eher so als Nebenprodukt. Die waren ja sozusagen artverwandt“, erinnert sich der gebürtige Steglitzer, der Menschen lieber duzt als siezt, und gerne berlinert. Aber dann verlängerte der Senat für die Heizpilze im öffentlichen Straßenland nicht mehr die Betriebserlaubnis, „und da brach bei mir einiges an Geschäft weg“, berichtet der 48-Jährige mit reichlich Tattoos an den Armen.
Zum Glück hatte er die Grills im Sortiment. Denn für die ging Ende der Nullerjahre „der Boom ab.“ 2009 zog Schulz in die größeren Räume. Gleich beim Eingang stehen die „Old School-Geräte“, sprich mit Holzkohle befeuerte Grills. Keine Baumarktware für unter fünfzig Euro. „Damit brauche ich gar nicht erst anzufangen“, meint Schulz.
Grill Shop Berlin © FM Rohm

Grill Shop Berlin © FM Rohm

Qualitätsprodukte müssen es sein, wie die Edelstahl-Säulengrills der Thüringischen Firma Thüros. Oder stylische Grills in Eierform der Firma Lotus. Die sind derzeit der Renner für Balkonbesitzer. Die Grills gibt es in verschiedenen Größen für zwei bis sechs Personen, preislich geht es ab 150 Euro los. „Sie haben einen Korb für die Kohle in der Mitte unter dem Grillrost, abgedeckt mit einem Blech. Deshalb kann es keinen Fettbrand durch tropfendes Fett geben.“ Das ist wichtig, wenn man auf dem Balkon grillt. Denn zu starke Rauchentwicklung hat schon manches Nachbarschaftsverhältnis ruiniert.
 

Sizzle-Zone und Smoker
Michael Schulz, Grill Shop Berlin © FM Rohm

Michael Schulz, Grill Shop Berlin © FM Rohm

Damit das möglichst nicht geschieht, vertreibt Schulz zwei Sorten Holzkohle, die „nur minimal qualmen“. Das eine ist Kohle aus gepresster Buchenholzkohle aus Griechenland, das andere sind Briketts aus gepressten Kokosnuss-Schalen. „Die werden in Eberswalde hergestellt“, weiß Schulz. Um zwei Euro kostet das Kilo, das ist mindestens doppelt so teuer wie Supermarktware. „Aber in der Rauchentwicklung kein Vergleich“, kontert der passionierte Griller.
Schulz bevorzugt gasbetriebene Grills. „Bei den besseren Geräten gibt es da nur eine minimale Geruchsbelästigung“, erklärt er und zeigt auf die Bleche, die über den Flammendüsen verhindern, dass sich Fett entzündet. Ab 450 Euro kosten die Gasgrills. Die meisten verkauft er an Einfamilienhaus-Besitzer. Gerade interessiert sich ein junges Paar mit Baby im Buggy für ein Einsteigermodell. „Zwei Brenner sollte der Grill haben“, meint Schulz, „damit man zwei unterschiedliche Temperaturzonen hat.“ Die sind wichtig, um Fleisch, Wurst, Fisch, aber auch Gemüse optimal zu grillen.
 Grill Shop Berlin © FM Rohm

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Bei Michael Schulz erhalten die Kunden nicht nur eine ausführliche Beratung zu den Geräten, sondern auch gleich noch praktische Tipps für die richtige Garmethode. Der passionierte Grillmeister schwört auf die Methode „von hinten garen“. Sprich: Wurst, Fleisch, aber auch Gemüse wird bei einer Temperatur von 80 bis 90 Grad auf dem Grill bis zur Innentemperatur von 52 Grad langsam erhitzt. „Dazu braucht man zwingend ein gutes Fleischthermometer.“ Kostet ab zehn Euro. Als letztes kommt das Grillgut auf große Hitze. „Dann entsteht die Maillard-Reaktion, das Fleisch wird außen braun und knusprig, hat Röstaromen. Durch das vorsichtige Garen bleibt es innen wunderbar saftig“. Die teureren Grills haben für diese letzten Hochtemperatur-Grillmomente sogenannte „Sizzle-Zones“, in denen das Fleisch für wenige Sekunden auf 800 Grad erhitzt wird. Die gibt es zum Beispiel bei den bis zu fünftausend Euro teuren Grills der kanadischen Firma Napoleon, ausgestattet mit fünf Gasbrennern und zusätzlichen Einsätzen zum Räuchern.
Diese auf englisch „Smoken“ genannte Technik sei der neueste Trend, erklärt Schulz. Viele Kunden hätten auf den angesagten Wochenmärkten bereits „Pulled Pork“, butterzartes, im Rauch gegartes Schweinefleisch, oder Rinderbrust aus dem Smoker kennengelernt, und wollen das jetzt im Garten nachmachen. Rund tausend Euro kostet ein gusseiserner Smoker, Schulz hat sogar meistens einen im Verleih.
Auch das nötige Zubehör ist im Angebot, von der Grillzange über den Fleischspieß bis zur Gemüseschale. Außerdem mehrere Dutzend verschiedene Holzpallets zum Räuchern, vom US-Klassiker des Hickory-Baumes über Steinobstholz bis zu Buchenholz aus Brandenburg. Daneben verkauft Schulz ausgesuchte Soßen, „nur was mir selbst auch schmeckt“, und Literatur. Zudem führt er mehrmals in den Sommermonaten führt er noch Grillworkshops durch. „Das macht Laune“, meint Schulz. Man glaubt ihm aufs Wort.

 

Grill-Shop Berlin, Hohenstaufenstraße 42, Schöneberg, Tel. 34 33 75 73, Mo-Fr 12-19, Sbd 11-16 Uhr, www.grill-shop-berlin.de

Veröffentlicht unter Feine Kost