Loch Ness: Und ewig lockt das Monster

Der bekannteste See der Welt

Der bekannteste See der Welt

Von der Stadt am River Ness starten die Touren zum einem der berühmtesten Seen der Welt. In dem haust Nessi, sind sich zumindest ziemlich viele Menschen sicher

„Mein Schwiegervater hat sie gesehen, Nessi. Ganz sicher. Naja, fast ganz sicher. Er ist am Ufer des Sees unterwegs gewesen, und da tauchte etwas aus den Fluten auf. Er meint, das war das Ungeheuer von Loch Ness.”

Hamish McGlennan, Verkäufer bei Chisolm’s Kilt Makers

Hamish McGlennan, Verkäufer bei Chisolm’s Kilt Makers

Der 26-jährige Hamish McGlennan ist  Verkäufer bei Chisolm’s Kilt Makers in der Castle Street im schottischen Inverness. In dem kleinen, am Fuß des trutzigen Stadtschlosses gelegenen Geschäft werden seit Anfang des 19. Jahrhunderts Kilts aus der gewebten Wolle schottischer Schafe hergestellt. Die auch Tartan genannten knielangen Röcke gibt es in kaum zu zählenden Mustern von Rot, Grün, Gelb und Blau. Jeder der schottischen Clans, der Stämme, hat sein eigenes Muster.
Ob er wirklich daran glaubt, dass Nessi tatsächlich im See lebt? „Vielleicht“, antwortet Hamish McGlennan diplomatisch. Wegen dem vermeintlichen Seemonster legen in dem nordost-schottischen Hafen mittlerweile große Kreuzfahrtschiffe mit Touristen aus aller Welt an. „Wenn es Nessi nicht wirklich geben würde, wir müssten sie erfinden“, sagt augenzwinkernd Mister Chisolm, Chef des ehrwürdigen Kiltgeschäfts.
Fast jeder rund um den bis zu 140 Meter tiefen, riesigen  Süßwassersee Loch Ness kennt jemanden, der Nessi gesehen haben will. Meistens war es ein „Etwas“ auf dem bewegten Wasser. Oder auf dem Sonar, wie bei Kapitän John Askew, der seit vielen Jahren mit der Jacobite Warrior Rundfahrten auf Loch Ness durchführt. „Zweimal hatte ich etwas auf den Sonar, etwas ganz schön großes“, sagt er und grinst.
Fremdenführer in Urquart Castle

Fremdenführer in Urquart Castle

Höhepunkt der Loch Ness Rundfahrt mit dem Schiff ist dann aber doch nicht Nessi, sondern die Ruinen des mittelalterlichen Urquhart Castle, malerisch direkt am See gelegen. Rund 400 Jahre, von 1230 bis etwa 1600 war die Ritterburg bewohnt, danach nur noch sporadisch. Heute verwaltet Historic Scotland die Ruine, die jährlich von zehntausenden Touristen besucht wird. Die meisten fahren anschließend nicht mit dem Schiff zurück nach Lochend kurz vor Inverness, sondern nehmen den Bus zum Loch Ness Centre & Exhibition im Örtchen Drumnadrochit.
Unter der Leitung von Adrian Shine können sich Besucher über die 500 Millionen Jahre Geschichte von Loch Ness informieren. Über eines der größten Süßwasserreservoirs der Erde, und natürlich über die Geschichte von Nessie. Bereits um 565 berichtet Abt Adamnan von einem Untier, das ihn auf der Überfahrt angriff. Mit dem Kreuzzeichen will er es in die Flucht geschlagen haben.
Das ganze Mittelalter hindurch gibt es immer wieder Berichte über das Ungeheuer von Loch Ness. Zum Medienhype wird Nessi dann im 20. Jahrhundert. Er begann, als ein Fotograf Anfang der 1930er Jahre ein Nessie-Modell zu Wasser brachte und unscharf fotografierte. Seine Figur gilt als Vorbild für tausende Nessie-Plüschtiere, die im Shop des Museums verkauft werden. Den Höhepunkt erreichte das Nessi-Fieber in den 1970er Jahren. Damals zog eine Flotte von Sonarbooten einmal längs über Loch Ness. Resultat: keine Nessie.
Nessi-Hunter Steve Feltham in Dores Beach

Nessi-Hunter Steve Feltham in Dores Beach

Einer jedoch harrt seit Jahr und Tag in einem umgebauten Bauwagen in Dores Beach am Ostufer von Loch Ness aus und starrt mehrere Stunden am Tag mit einem Zeiss-Fernglas aufs Wasser: Nessi-Hunter Steve Feltham. Buslandungsweise kommen die Besucher vorbei, und lauschen den Geschichten des 62-Jährigen. „Ich habe Nessi gesehen, hundertprotzentig“, behauptet er mit einem Lächeln im Gesicht, „ich hatte nur meine Kamera nicht dabei.“ Ein bis zweimal im Jahr wird er von einem ausländischen Fernsehteam interviewt, seinen Lebensunterhalt verdient er mit dem Schreiben von Nessi-Büchern und dem Verkauf von handgefertigten Nessi-Figuren.
Als wir uns auf den Rückweg nach Inverness machen wollen, sehen wir seltsame schwarze Rüssel aus dem eiskalten Wasser auf- und wieder eintauchen.
Nicht Nessie, sondern Schwimmer

Nicht Nessie, sondern Schwimmer

Wir werden doch nicht etwa Augenzeugen einer veritablen Nessi-Erscheinung? Die Kameras sind in Position gebracht, dann lacht der erste. Es sind Schwimmer. Zwei Männer und zwei Frauen sind in dem sechs Grad kalten Wasser hinaus geschwommen. Das machen sie einmal die Woche. Und, wollen wir wissen, jemals was von Nessi gesehen? „Naja“, sagt Schwimmerin Moragh, „etwas haben wir schon mal gesehen.“

Anreise:

British Airways fliegt Inverness an, ebenso easyyet, KLM und Lufthansa.

Unterkunft:

Kings Mill Hotel, 4-Sternehaus mit historischem Stammhaus und modernem Annex, Culabook Road, Inverness, während der Saison, Mai – August, um 210 £ das Doppelzimmer mit Frühstück, Tel. 0044/1463/237166, www.kingsmillshotel.com

The Lovat, Fort Augustus, privat geführtes Hotel im malerischen Ort Fort Augustus am Ufer des Loch Ness, während der Saison, Mai – August, um 140 £ das Doppelzimmer mit Frühstück, Tel. 0044/14568490000, www.thelovat.com

Kilts, Chisolm’s Kilt Makers, 47-51 Castle Street, Inverness, Tel 0044/1463/234599

Whisky-Destillen Führung: Tomatin, 20 Kilometer südlich Inverness an der A 9, Ende März bis Ende Oktober täglich 9.30-17.30 Uhr, Touren um 20 £, inkl. Verkostung, Tel.0044/1463/248148 www.tomatin.com

Urquhart Castle, mit dem Schiff von Lochend, fünf Kilometer von Inverness entfernt. Touren ab 21 £, www.jacobite.co.uk

Loch Ness Centre & Exhibition, Museum und Riesen Nessi-Shop, Tickets 8 £, Drumnadrochit, Loch Ness, Inverness-shire V63 6TU, Tel 0044/1456/450573, www.lochness.com

Nessi Hunter Steve Feltham, Dores Beach, www.nessiehunter.co.uk

Die Reise wurde unterstützt von Visit Britain

 

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