Unter 25 Euro: Luna d’Ora

Zurück zu den Wurzeln im Clärchens Ballhaus

Rechts geht es zum Schwofen, links zum Futtern.

Es ist eine der aufregendsten Eröffnungen dieses Herbstes: das generalüberholte, über hundert Jahre alte „Clärchens Ballhaus“ mit Tanz im Spiegelsaal im ersten Stock und Speisen im Erdgeschoss im „Luna d’Oro“. Der goldene Mond, so der Name übersetzt, hängt als goldfarbene Glitzerkugel im vorderen Teil des riesigen Schankraumes, der mit viel dunklem Holz an traditionelle Gasthäuser erinnert. Maulbeefarbene Polster an den Bänken setzen farbliche Akzente in dem fast 150 Sitzplätze fassenden Raum.

Der wird in unterschiedliche Zonen mit Tischgrößen für Gruppen bis zum Zweiertisch unterteilt. Empfangen werden die Gäste von einer für Berlin kaum gekannten Freundlichkeit der Kellnerinnen und Kellner. Eine Reservierung ist auf alle Fälle ratsam, das Interesse an dem Lokal und den deutsch-berliner Speisen von Küchendirektor Tobias Beck ist groß.

Zum reinlegen: Königsberger Klopse im “Luna d’Oro”.

Er folgt dem Trend hin zu den guten, alten Speisen, die schon vor hundert und vor 50 Jahren beliebt waren, preiswert, bodenständig, gut. Keine Finesse findet sich auf den Tellern die vom Trödel zu stammen scheinen. Angenehm schwer liegt das Besteck in den Händen, die Stoffservietten leuchten nicht in grellem Weiß, sondern passend in dezentem Grau.

Vorspeisen unter fünf Euro hat man lange nicht mehr gesehen, noch dazu Klassiker wie Handkäs mit Musik, zur Überraschung von Puristen fermentiert in Apfelwein, mit gutem Brot. Auch frittierte Spreewaldgürkchen mit Dill-Dip und Rettich-Obatzda-Stulle stehen um fünf Euro auf der Karte. Hingucker ist der Rindertartar in Form des Wirtschaftswunder-Büffetklassikers Mettigel, 12,50 Euro. Klar wie eine Consommé und überzeugend würzig kam die Hühnerbrühe mit Einlage zu Tisch, 7,50 Euro.

Gebackene Austernpilze mit Kartoffelsalat und Petersilien-Mayo im “Luna d’Oro”.

Bei den Hauptgängen fiel die Wahl zum einen auf den fleischlosen Gang gebackene Austernpilze mit Petersilien-Mayo und Kartoffelsalat, 15,50 Euro. Letzterer war einwandfrei, nicht zu schlotzig, die Austernpilze allerdings schienen zu lang gebacken worden zu sein, dadurch verlieren sie nicht nur an Weichheit, sondern an Geschmack. Ganz anders die Königsberger Klopse, bei denen alles stimmte: die Fluffigkeit, die Würzung, die Cremigkeit des Kartoffelpürees und die säuerliche Dezenz des Rote-Bete-Salats, 16,80 Euro.

Eine letzte Bemerkung: Musik aus den 80ern, von Madonna bis Bronski Beat, irritiert in einem so wunderbaren Ambiente.

Franz Michael Rohm

Auguststraße 24/25, Mitte, Tel. 40 06 98 100, Mi.-So. 17-24 Uhr, www.claerchensball.haus

Veröffentlicht unter Restaurantkritiken

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